Ben 7ROCK Art
Ben Siebenrock(1951–2018)
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Ben 7ROCK Art
Ben Siebenrock (1951–2018)

Collagen

Hans-Werner Schmidt schreibt in seinem Beitrag „Der Bruch als Buch“
im Ausstellungskatalog:
„... Zeichnungen und Kolumnen mit Wortexperimenten verweben das
collagierte Bild-Text-System. Texte im klassischen Sinne wird man hier
vermissen. Es ist ja auch kein Buch, sondern ein Bruch. Im Zueinander der
Überschriften, Abbildungen und Künstlerkommentare ergeben sich inhaltliche Allianzen. Kurzschlüsse sind nicht möglich, da Siebenrock immer
Stolper-„Steine“ einbaut, die die Assoziationsketten bremsen und die
Möglichkeiten eröffnen, gedanklich eine andere Richtung einzuschlagen.“

Skulpturen/Modelle

Am bekanntesten ist sicherlich das bildhauerische Werk des 1951 in
Marbach geborenen und 2018 in Kiel verstorbenen Künstlers.
Als Bildhauer konnte sich Ben Siebenrock sowohl im kleinen Format als
auch in ausgreifenden Dimensionen mit landschaftlichem Bezug
ausdrücken. Er arbeitete mit den verschiedensten Materialien. Doch das
Hauptmaterial seiner Skulpturen fand er vor der eigenen Haustür: Ben
Siebenrock liebte Granitfindlinge, die während der letzten Eiszeit von
Skandinavien nach Norddeutschland gelangt waren und für uns hier eine
hohe regionale Identifikation darstellen. Oftmals zeigen seine Skulpturen ein
abstraktes Erscheinungsbild oder eine monolithisch anmutende und in die
Höhe strebende Form. Auch buntfarbiges Acrylglas verwendete er im Mix
mit den geschnittenen Findlingen wie das hier abgebildete Modell zeigt.

Malerei

Einen großen Raum im Schaffen von Ben Siebenrock nimmt seine Malerei
ein. Er selbst meinte einmal: „Immer wenn es zu heiß oder zu kalt zum
Steine behauen ist, dann zeichne oder male ich.“ In leuchtenden Farben entstanden neben Raumteilern und Buchmalereien
auch Hinterglasmalereien und 1986 schuf der Künstler das Bühnenbild für
das Lustspiel der „Verblendete“ (nach Katharina der Großen), das in
Flensburg, Schleswig, Rendsburg und Neumünster aufgeführt wurde.
Ben Siebenrock hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das in keine
Schublade hineinpasst. Seine Kunstwerke können ebenso formal reduziert
sein wie ausladend barock. Wir freuen uns, Ihnen mit dieser Ausstellung
Ben Siebenrock in seiner übersprudelnden Energie und Lebensfreude auf
breiter kreativer Ebene vorstellen zu können.

Turbobarock

Mit dem Studienbeginn 1972 an der Fachhochschule in Kiel (heute
Muthesius-Kunsthochschule) bei Jan Koblasa (bis 1977, danach bis 1983
in Braunschweig bei Emil Cimiotti) erneuerte und intensivierte sich die
Auseinandersetzung Ben Siebenrocks mit dem Barock. Es interessierte ihn
jetzt vor allem das Surreale und Anatomische. Besonders die Skulpturen
von Balthasar Permoser beeindruckten ihn. Dieses Interesse zeigt sich vor
allem in den gefertigten Köpfen aus Bronze, die auf die Porträtbüste des
Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zurückgingen, wie z.B.
„Johnny B Brahms“, „Dr. Spock liebt Barock“ oder „Blick in die Zukunft“.
Der Künstler sah in diesen Arbeiten einen ironischen, wenn man so will,
postmodernen Umgang mit Stilelementen und bezeichnete dies als
„Turbobarock“.

Stadtansichten/Schwentine-Zyklus

Bevor Ben Siebenrock das „Künstlerhaus Langseehof“ 1982 zu seinem
Wirkungsmittelpunkt machte, lebte und arbeitete er in den 1970er Jahren
auf dem Stangenberg in Mönkeberg am Ostufer der Förde. Dieser Ort, den
er gerne „Ideenschmiede“ nannte, war für den Künstler eine Idylle. Als
Maler setzte sich Ben Siebenrock grundsätzlich gerne mit Orten in
Schleswig-Holstein auseinander, die er als magisch empfand. Dem in
Heikendorf präsentierten „Schwentine-Zyklus“, der die jeweilige Atmosphäre
der Jahreszeiten in unterschiedlichen Farbklängen mit pastosem Duktus
einfängt, liegen als Komposition die Buchstaben S C H W E N T I N E
zugrunde. Der Zyklus beginnt und endet, einer inneren Logik folgend, im
Winter. Wie in der Grafik besitzen auch seine Gemälde häufig eine
kritische, satirische oder auch provokante Note.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Katalogbuch (25 Euro).

Fotos: Bernd Perlbach


 

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